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Berichte Johannesgemeinde | Geschichte | Kirchenvorstand | Johannesplatz

Darmstädter Echo vom 7. Juni 2004

Wenn Seelsorger auch als Baumeister gefragt sind

Pfarrer i. R. Hans Orth, von 1949 bis 1966 Pfarrer des Nordbezirks, ist neunzig Jahre alt.

VON OTTO TRAMER

Die Johannesgemeinde hatte kürzlich doppelten Anlass, Rückschau zu halten. Zum einen die Goldene Konfirmation am Himmelfahrtstag, als von den 160 im Jahr 1954 Konfirmierten 52 (darunter ein Gast aus den USA) zum Wiedersehen in ihre frühere Gemeinde kamen. Zum anderen drei Tage später der neunzigste Geburtstag des früheren Seelsorgers Hans Orth, dem eine ansehnliche Schar ihm über Jahrzehnte hinweg nach wie vor eng verbundener Johannesgemeindler im Heimathaus des Hessischen Diakonie-Vereins in der Freiligrathstraße gratulierte.

Im Februar 1949 hat Orth, der gegen Endes des Vorjahres erst aus französischer Kriegsgefangenschaft entlassen worden war, den Dienst in der Johannesgemeinde aufgenommen als Amtsbruder des seit 1934 amtierenden Pfarrers Weinberger und des seit 1948 zu dessen Unterstützung tätigen Pfarrers Hans-Werner Jaeschke.

Von 1949 bis Ende 1966 betreute Orth den Nordbezirk der Gemeinde. Er war ein „Pfarrer zum Anfassen“, wie ihn das übervölkerte Stadtviertel nötig hatte, in das die Einwohner nach Kriegsende und Zusammenbruch nahezu aller Bereiche des täglichen Lebens in der Hoffnung zurückkehrten, hier wieder ihre äußere wie auch ihre innere Heimat zu finden. Die Johanneskirche, das Gemeindehaus und eines der Pfarrhäuser waren zerstört; die Gottesdienste fanden seit Ostern 1945 in der Kapelle des Altenheims jenseits der Gemeindegrenzen statt; die Gemeindekreise mussten sich erst langsam wieder sammeln und hatten dafür lediglich die Räume des Kindergartens in der Pallaswiesenstraße 42 und die Wohnung der Pfarrgehilfin Elisabeth Roth zur Verfügung.

In dieser Zeit des alleingemeinen Neubeginns kam Pfarrer Orth und machte sich mit seinen Amtsbrüdern daran, die Gemeinde innerlich wie äußerlich wieder aufzubauen. 1949 war das Gemeindehaus im ersten Bauabschnitt fertig gestellt, ab 1952 konnte die Johanneskirche wieder benutzt werden, ab 1958 stand das auf dem früheren Zimmerplatz Wöhrn errichtete Wittenberg-Haus zur Verfügung. Orth hat der Johannesgemeinde nicht nur als Seelsorger und Prediger des Evangeliums gedient, sondern seine Kraft auch als Baumeister eingesetzt. Oft gab es die bange Sorge, er könnte den Belastungen einer solchen Mehrfachtätigkeit nicht gewachsen sein.

Im Spätsommer 1966 sprach sich im Nordviertel herum, dass Orth wohl seine Zelte in der Johannesgemeinde würde abbrechen müssen, weil die Kirchenleitung ihn zur Dienstleistung beim Hessischen Diakonie-Verein zu berufen gedachte. Ab 1. Oktober wurde er einstweilen beurlaubt, ab 1. Januar 1967 war er dann neuer Leiter des Diakonie-Vereins als Nachfolger des in den Ruhestand versetzten Pfarrers Paul Guyot.

Als Hans Orth jetzt zum sechsten Mal an der Goldenen Konfirmation eines von ihm eingesegneten Jahrgangs teilnahm, wurde über die große Zeitdistanz hinweg deutlich, dass immer noch gilt, was der ehemalige stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstands Georg Brust zur Verabschiedung Orths im Kirchenblatt „Das Evangelische Darmstadt“ geschrieben hatte: „Es gibt ein Wort, das für Sie, ihre Familie und für manchen in der Gemeinde bedeutungsvoll geworden ist: Siehe, ich habe Dir geboten, dass Du getrost und freudig seiest.“


 

 

 

Herzlich willkommen!

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